Tübingen – ein Reiseführer

Tübingen – ein Reiseführer

Tübingen – das Kleinod am Neckar: nach einem Messebesuch in Stuttgart haben wir ein paar Tage frei, bevor wir wieder an die Eismaschine müssen. Es ist Februar, und zum Wandern ist es zu regnerisch und zu kalt, sonst hätten wir wohl die schwäbische Alb erkundet – ein anderes Mal, diesmal geht es nach Tübingen!

Das Neckarufer

Die 90.000-Einwohner-Stadt ist ideal für einen Kurztrip: überschaubar, malerisch eingebettet in eine Umgebung, die ebenfalls eine Erkundung lohnt einzigartig mit ihrem Konglomerat aus Geschichte und studentischem Leben. Die Mischung aus japanischen Reisegruppen, die Fotos vom Schloß machen, Studenten, die am Neckarufer ihre Slackline zwischen zwei Bäume gespannt haben, und trotz der winterlichen Temperaturen barfuß das Seiltanzen üben und Hausfrauen, die auf dem Markt frisches Gemüse einkaufen repräsentiert die Bandbreite der Stadt.

Wir erkunden das historische Zentrum, stehen staunend vor dem reich bemalten Rathaus, das ein visuelles Archiv wichtiger Epochen der Stadtgeschichte darstellt, klettern auf den Schloßberg und spazieren vorbei an den Häusern der studentischen Verbindungen, die wie unzugängliche Burgen über dem Neckar liegen.

In der Innenstadt fällt die Vielfalt der Geschäfte auf. Auch, wenn die üblichen Ketten wie H&M, Butlers und New Yorker vertreten sind, gibt es doch eine Fülle kleiner unabhängiger Läden, die den Stadtbummel zu einem wirklichen Vergnügen machen. Um den Schloßberg haben sich Antiquitätenläden angesiedelt, die neben Kunst und Kitsch wunderschöne alte Möbel im Angebot haben. Oudoorläden, kleine Geschäfte für Nähbedarf, Delikatessengeschäfte und an fast jeder Ecke eine Buchhandlung – an Tübingen scheint die Krise des Buchandels vorbei gegangen zu sein! Der Platzhirsch ist Osiander, der mit zahlreichen Filialen in der Stadt vertreten ist, das Hauptgeschäft in der Metzgergasse 25 ist ein Paradies – auf den drei Etagen kann man Stunden verbringen! Die zweite Entdeckung, die wir in dieser Richtung gemacht haben, ist das Antiqauriat Heckenhauer am Holzmarkt, das in einem Hinterhaus untergebracht ist und einen Schwerpunkt auf Werke von Herman Hesse legt – ich habe einen Reisebericht nach Patagonien aus dem Jahr 1925 mitgenommen!

Bücher über Tübingen

Glücksorte in Tübingen, Mareike Fröhlich und Martin Pfeilsticker: Dieses Buch ist nicht nur für Tübingen-Besucher interessant, es stellt eine Fülle von Orten in und um Tübingen vor, die man besuchen und erleben kann – vom besonderen Cafe über Orte mit atemberaubenden Blicken bis zu schönen Waldspaziergängen und spannenden Museen. Die Autoren sind in der Gegend um Tübingen aufgewachsen und lieben die Stadt – das merkt man. Dieser kleine Reiseführer macht aus einem Besuch in Tübingen ein ganz besonderes Erlebnis!

Hölderlin: Komm! ins Offene, Freund!, Rüdiger Safranski: Lesenswerte Biographie über den berühmtesten Sohn der Stadt

Heimatjahre, Felix Huby: Das vielleicht persönlichste Buch des geistigen Vaters von Kommissar Bienzle (der auch im Tatort ermittelte). Die Nachkriegsgeschichte einer Familie in einem kleinen schwäbischen Dorf in der Nähe von Tübingen (wo auch der Autor geboren wurde). Ein Sittengemälde der jungen Bundesrepublik

Sehenswürdigkeiten in Tübingen

Neckarufer und Hölderlin-Turm: Das beliebteste Fotomotiv in Tübingen ist sicher der Blick von der Eberhardsbrücke auf die Altstadt. Die bunten giebelständigen Häuser sind bis bis zur Biegung des Neckars perfekt erhalten und bilden, zusammen mit der Stiftskirche einen farbenfrohen Hintergrund für den Hölderin-Turm. In dem kleinen gelben Turm (ich hatte ihn mir größer und bedeutender vorgestellt) lebte und schrieb Friedrich Hölderlin 36 Jahre mit Blick auf den Neckar. Er hatte das Turmzimmer von dem Schreinermeister Enst Friedrich Zimmer gemietet, er verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer. Gegen Ende seines Lebens wurde er gegen seinen Willen in eine der ersten psychiatrischen Kliniken des Landes eingewiesen werden, für sein Werk bekam er zu seinen Lebzeiten kaum Anerkennung… Heute ist im Hölderlin-Turm eine Ausstellung zum Leben und Werk des Dichters untergebracht. Von der Eberhardsbrücke führt ein kurzer Fußweg zum Turm, von hier aus leben auch die Stocherkähne ab, mit denen man Tübingen vom Neckar aus an sich vorbeiziehen lassen kann. Andere Anlegestellen gibt es zu beiden Seiten des Flusses, Anbieter sind z.B. Olikahn, Stocherkahnfahrten, die verschiedene Party-Programme im Angebot haben, oder der Neckarcaruso.

Der Hölderlinturm und die Stiftskirche

Von der Eberhardsbrücke kann man auf die knapp einen Kilometer lange Neckarinsel mit ihrer prächtigen Platanenallee hinuntersteigen. Sie entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, als man eine Kanal zur Regulierung des Wasserstandes baute. Im Winter ist ein Abendspaziergang über die Insel besonders schön, wenn sich der Himmel hinter den kahlen Silhouetten der riesigen Platanen langsam rot färbt, im Sommer nutzen viele Tübinger den Schatten der Bäume in der Mittagspause… Von der Eberhandsbrücke aus kommt man zuerst am Taubenhaus vorbei, Tauben gehören in Tübingen zum Stadtbild, auch wenn man versucht, ihre Population sanft zu kontrollieren.

Durch die Platanenallee gelangt man zum Silcher-Denkmal, einen Komponisten, der im 19. Jahrhundert lebte und aus dessen Feder einige der bekanntesten deutschen Volkslieder stammen. Der Gute Kamerad wird z.B. noch heute bei den Trauerzeremonien der Bundeswehr gespielt. Das monumentale, wohl gewollt unproportionierte Denkmal auf der Neckarinsel stammt aus dem Jahr 1941; der schon 1871 gestorbene Komponist wurde damals von den Nazis vereinnahmt. Seit 1995 gibt es eine Tafel, die das Denkmal geschichtlich einordnet, seit 2016 gibt es weiterführende Erklärungen auf einer Tafel im Rahmen des Geschichtspfads zum Nationalsozialismus. Hinter dem Silcher-Denkmal beginnt das Seufzerwäldchen, das so heißt, weil sich auf den Waldpfaden früher (und bis heute) gerne Liebespaare trafen.

Die Platanenallee auf der Neckarinsel

Schloß Hohentübingen: Warum es Hohentübingen heißt, wird einem klar, wenn man den steilen Schloßberg hochklettert. Das Schloß sieht eher aus wie eine Burg, und das war es früher wohl auch. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1078, der Triumphbogen des Hauptportals gilt ein schönes Beispiel der Spätrenaissance. Schon Ende des 19. Jahrhunderts ging das Schloß an die Universität, die es bis heute nutzt.

Im Schloßkeller gibt es das älteste Riesenweinfaß der Welt, es faßt 84.000 Liter Wein und steht im Guinnessbuch der Rekorde. Außerdem findet man in einem Flügel des Schlosses die Sammlung Alte Kulturen.

Das Alte Rathaus fällt bei einem Stadtbummel sofort auf, die üppige Bemalung über alle Stockwerke erzählt Geschichten aus der griechischen Mythologie, der Stadtgeschichte und in der Dachgaube funktioniert die astronomische Uhr des Mathematik- und Astronomieprofessors Johannes Stöffler von 1511 immer noch – auch wenn das Original-Ziffernblatt heute im Museum ausgestellt wird.

Tipp: in der Touristeninformation an der Eberhardsbrücke bekommt man ein kleines Faltblatt mit einem ca. zweistündigen Stadtrundgang, auf dem man alle innerstädtischen Sehenswürdigkeiten zu sehen bekommt und den man natürlich durch einen Kaffee zwischendurch oder das Stöbern in den interessanten Geschäften der Innenstadt nach eigenem Belieben ausdehnen kann!

Eigentlich keine Sehenswürdigkeit sind die Häuser der Studentenverbindungen, die hoch über dem Neckar wie Burgen am Hang kleben. Es lohnt sich die Treppe an der Eberhardsbrücke hoch zusteigen und durch die von alten Bäumen bestandenen Straßen zu schlendern. Für mich war es eine echte Überraschung, dass es Verbindungshäuser in dieser Art bis heute gibt – man fühlt sich wirklich an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückversetzt!

Und noch ein Tipp: wir hatten nach zwei Tagen Pflastertreten Lust auf einen Ausflug ins Grüne – nur 12 Kilometer von Tübingen entfernt liegt das Kloster Bebenhausen, eine Zisterzienser-Abtei, die auch als Jagdschloß und als Sitz des Landtags von Württemberg-Hohenzollern gedient hat. Die mittelalterliche Anlage katapultiert den Besucher in vergangene Zeiten… Der wunderschöne Kreuzgang, die reichen Details aus den verschiedenen Epochen der Baugeschichte zeigen, das Bebenhausen eines der reichsten Klöster des Landes war. Den Schülern der evangelischen Klosterschule allerdings half das wenig: Die Verpflegung war anscheinend so spartanisch, dass sie sogar Gänse stahlen, um ihren Hunger zu stillen.

Im Kloster Bebenhausen

Restaurants in Tübingen

Was isst man in Tübingen? Schwäbische Küche! Spätzle und Maultaschen, die laut einer Legende im Kloster Maulbronn entstanden, als die Mönche während der Fastenzeit das Fleisch vor dem lieben Gott in einer Teigtasche verstecken wollten, und die deshalb auch Herrgottsbscheißerle heißen. Aber neben einigen sehr guten schwäbischen Traditionsrestaurants gibt es in Tübingen eine ganze Anzahl von Cafes und Restaurants, die das studentische Leben der Stadt widerspiegeln.

Buchkaffee Vividus, Beim Nonnenhaus 7, Tel.: 07071-996585: mi ehebmaligen Refektorium eines Klosters kann man hier Kaffee trinken und Bücher aussuchen. Kaffee und Tee in Bio-Qualität, ausgesuchte Belletristik und Kinderbücher, ein kleiner Garten, in dem man sich im Sommer vom (sehr gemäßigten) Trubel der Tübinger Innenstadt erholen kann, lassen das Vividus zu einer kleinen Oase werden.

Cafe am Hirschen, Hirschgasse 9, Tel.: 07071-24134: Traditionscafe mit großer Frühstückskarte, Salate und belegte Brote, hier werden auch Vegetarier glücklich!

Cafe Binder, Nonnengasse 4, Tel.: 07071/-52643: nettes Kaffeehaus mit viel Tradition, Torten, Frühstück und kleine Snacks, in der Pension Binder gibt es hübsche Zimmer über den Dächern Tübingens

Cafe Lieb, Karlsstr. 3, Tel. 07071 – 31111 : Seit mehr als einem Jahrhundert gibt es das Cafe Lieb (das inzwischen einige Filialen in der Stadt hat) in Tübingen. Beliebter Treffpunkt zum Frühstück, der Kaffee ist gut und die Tortenstücke groß!

Vegi, Steinstraße 13, Tel.: Beliebter Studendentreff, Falafel in verschiedenen Variationen und andere kleine Gerichte, die Karte ist kurz und vegetarisch bzw. vegan, die Tische immer voll

Ludwigs, Uhlandstraße 1, Tel.: 0701- 133121: Geöffnet von 8 – 23 Uhr bekommt man im Ludwigs Frühstück, leichte Gerichte zum Mittag, ein interessantes Abendmenü und Coctails

Mauganetschle, Burgsteige 18, Tel.: 07071-92940: Traditionslokal direkt am Schloß im Hotel am Schloss. Vielleicht das beste Restaurant, um Maultaschen zu probieren!

Marquardtei – Schnitzelakademie, Herrenberger Straße 34, Tel.: 07071 – 4 33 86: ab 1910 schenkte hier der königliche Hoflieferant sein Bier aus, heute gibt es kleine Gerichte und riesige Schnitzel zu sehr moderaten Preisen

Hupperts Restaurant, Gebelsbergstr. 97, Tel.: 0711 – 6406467: feine Küche, sehr gehobene Preise – für einen ganz besonderen Abend der perfekte Ort

Hotels in Tübingen

Hotel La Casa *****, Hechinger Str. 59, Tel.: 07071 – 946660: familiäres Boutique-Hotel mit Spa und Dinnershows.

Domizil ****, Wöhrdstrasse 5-9, Tel.: 07071-139-0: Wir haben im Domizil gewohnt und fanden es toll! Moderne Zimmer mit Blick über den Neckar, das Frühstück war lecker und die Lage direkt an der Eberhardsbrücke ist unschlagbar!

Hotel Krone Tübingen****, Uhlandstr. 1, Tel.: 07071- 1310: große Zimmer in der Innenstadt, im Haus ist auch das Restaurant Ludwigs

Hotel am Schloß ***, Burgsteige 18, Tel.: 07071-92940: Direkt zu Füßen des Schlosses gelegen, schöne Zimmer, zentraler kann man kaum wohnen.

Gasthof Lamm ***, Jesinger Hauptstr. 55-572070 Tübingen – Unterjesingen, Tel. 0 70 73 / 91 82-0: etwas außerhalb gelegen, aber gut angebunden – die relative Entfernung zum Zentrum wird wett gemacht von der wunderschönen Umgebung, der gemütlichen Gaststube und dem Hofladen, in dem man den selbst gebrannten Schnaps der angeschlossenen Brennerei kaufen kann.

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