Reiseberichte: Vom Sofa aus um die Welt

Reiseberichte: Vom Sofa aus um die Welt

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ihr Leben auf Reisen verbringen, ich habe eine feste Arbeit, die mich an einen konkreten Ort bindet und ich kann nicht so viel reisen, wie ich vielleicht gerne möchte. Aber ich kann Reiseberichte lesen! Meine Reiseführer-Sammlung ist größer als meine Kochbuchsammlung. Ich habe Reiseführer zu Orten, an denen ich schon einmal war, zu denen ich gerne einmal reisen möchte, und Reiseführer zu Stellen der Erde, die ich in meinem Leben wohl nie sehen werde.

Illustration 024-657-834 auf Pixabay

Auch, wenn ich den ganzen Tag Eis gemacht und Waffeln in unserem Café an der Costa Brava verkauft habe, kann ich abends vor dem Schlafen gehen noch eine halbe Stunde über den Atlantik segeln, in Ozeanien zum Krater eines Vulkans hinauf steigen oder mit dem Esel durch die Anden wandern!

Hier ist eine kleine Auswahl meiner liebsten Reiseführer – einige davon nur noch im Antiquariat zu finden, andere sind ganz aktuell:

Mit 50 Euro um die Welt (Christopher Schacht, 2019): Dies ist der letzte Reiseführer, den ich gelesen habe, ganz frisch aus der Presse. Christopher Schacht beschloss mit 19 Jahren, die Welt zu umrunden, ohne dabei ein Flugzeug zu besteigen. Er hatte 50 Euro in der Tasche, als er losfuhr, er arbeitete als Koch und als Matrose, lernte Spanisch und Koreanisch, fand seine große Liebe und musste sich mit Nierensteinen herumschlagen. Dieser Reisebericht ist sicher kein literarisches Meisterwerk, was mich aber beim Lesen berührt und begeistert hat, ist die Art, wie ein Mensch, der 30 Jahre jünger ist als ich, mich ganz beiläufig zum Nachdenken bringt über grundlegende Lebenskonzepte, und mit welcher positiven Energie er den Widrigkeiten seiner vier Jahre dauernden Reise begegnet!

Eine unbegabte Frau (Alan Burgess, 1976): dieses Buch habe ich zum ersten Mal mit 13 oder 14 Jahren gelesen und seit dem immer wieder. Es erzählt das Leben der britischen Missionarin Gladys Aylward, einem Zimmermädchen, das in den 1930igern über Rußland und Japan nach China reiste und sich dort als Missionarin in einem kleinen chinesischen Dorf niederließ und immer mehr selber zur Chinesin wurde. Es ist die Geschichte eines starken Glaubens und der Selbstaufopferung – und ganz nebenbei nimmt der Autor den Leser mit in das Leben der chinesischen Landbevölkerung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

This Thing of Darkness (Harry Thompson, 2006): Dieser packende Roman über die Weltreise von Charles Darwin ist leider noch nicht auf Deutsch erschienen und der eigentliche Protagonist des Buchs ist nicht Darwin, sondern der der Kapitän der Beagle, Robert Fitzroy. Dies Buch ist ein Abenteuerroman, eine historische Novelle, eine Geschichte von Freundschaft und Tod, ein Sittengemälde des 19. Jahrhunderts – alles in einem packt es den Leser von der ersten bis zur letzten Reise.

Traumatische Tropen: Notizen aus meiner Lehmhütte (Nigel Barley, 1997): Ein anderer Evergreen, den ich das erste Mal vor 25 Jahren gelesen habe, und seitdem immer mal wieder gerne aus dem Regal hohle. Nigel Barley berichtet selbstironisch und witzig von seinen Jahren als Ethnologe in Afrika. Er beschreibt das Leben mit „seinem“ Stamm liebevoll und unterhaltsam und ganz nebenbei lernt man noch eine Menge!

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